Höheres Bußgeld wirkt nur im Einklang mit verbesserter Überwachung

Foto: ACV

Wer sich ein bisschen mit Psychologie auseinandergesetzt hat, der wird wissen dass gerade Strafen, die man ausspricht oder androht nicht immer ihre volle Wirkung entfalten. Wer Kinder hat, der kennt das sogar noch dezidierter. Der Grund: Strafen müssen relevant sein und von den zu bestrafenden ernstgenommen werden. Strafen, die man schlicht in Kauf nehmen kann verfehlen ihre erzieherische Wirkung.

Für den Straßenverkehr gilt daher: Höhere Bußgelder sorgen nicht zwingend für einen sichereren Straßenverkehr. Auch dem ACV ist dieser umstand bekannt und gibt in diesem Zusammenhang anlässlich des Verkehrsgerichtstags in Goslar gerade eine Pressemeldung heraus.

ACV Automobil-Club Verkehr befürwortet Diskussion

Der ACV Automobil-Club Verkehr befürwortet die Diskussion über die Anpassung des Sanktionskatalogs. Für den Verein sind die großen Potentiale für den gewohnten Rückgang der Verkehrsopferzahlen der vergangenen Jahrzehnte ausgeschöpft. Um der Stagnation der Verkehrsopferzahlen entgegenzuwirken, müssen im Straßenverkehr zusätzliche Anstrengungen unternommen werden, damit die Vision Zero nicht ihre Glaubwürdigkeit verliert.

Jürgen Koglin, verkehrspolitischer Sprecher des ACV hält hierzu fest:

„Der Bußgeldkatalog ist nicht mehr zeitgemäß. Scheibchenweise wurden kürzlich die Strafen für Handy am Steuer, Blockieren einer Rettungsgasse und die Teilnahme an sowie Veranstaltung illegaler Autorennen angepasst. Es ist höchste Zeit, das Regelwerk grundsätzlich zu überarbeiten. Höhere Strafen schrecken ab, tun weh und machen deutlich, dass es sich bei vermeintlichen kleineren Verkehrsverstößen nicht um Kavaliersdelikte handelt. Trotzdem brauchen wir gleichzeitig eine bessere Verkehrsüberwachung in Deutschland, denn ohne sie werden erst gar keine Sanktionen verhängt.“

90 % der Unfälle mit Verletzten wegen Missachtung von Verkehrsregeln

Ca. 3170 Menschen kamen 2017 auf deutschen Straßen ums Leben, damit liegt die Zahl der Verkehrstoten etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Auch die Anzahl der Verletzten verringerte sich voraussichtlich nur minimal. Dem Statistischem Bundesamt nach resultieren über 90 % der Unfälle mit Personenschaden aus dem verletzten von Verkehrsvorschriften.

Jürgen Koglin, verkehrspolitischer Sprecher des ACV:

„Im EU-Vergleich sind Verkehrsverstöße in Deutschland ein Schnäppchen. Die Strafen für Handy am Steuer oder Geschwindigkeitsüberschreitung sind im Ausland mitunter deutlich höher als hierzulande. Besonders teuer wird es in Großbritannien, den Niederlanden, in Dänemark und in Spanien. Laut EU-Statistik beklagen gerade diese Länder die wenigsten Verkehrstoten pro eine Million Einwohner im europäischen Vergleich. Einen Zusammenhang muss der Verkehrsgerichtstag diese Woche klären.“

Deutschland längst nicht im Zielkorridor

Wirksame Maßnahmen für mehr Sicherheit im Verkehr liegen außerdem in einer sicheren Infrastruktur, im Schutz schwächerer Verkehrsteilnehmer wie Radfahrer und Fußgänger und darin, Verkehrsverstöße konsequent zu ahnden. Obgleich die Zahl der Verkehrstoten im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefstand gesunken ist, liegt das selbstgesetzte Ziel der Bundesregierung, bis 2020 ein Minus von 40 % bei der Zahl der Verkehrstoten zu erreichen, meilenweit entfernt, gibt der ACV zu bedenken.

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